Kirche Crispendorf Die Kirche zu Crispendorf
kirche crispendorfKirche von InnenAuf einer Anhöhe am Rand des Dorfes liegt die Kirche, die schon von außen ansehnliche Größe zeigt.
Innen wird dieser Eindruck bestätigt. Ein frei stehender, großzügig angelegter Kanzelaltar, frühklassizistisch und mit entsprechender Formgebung, wird von zwei hufeisenförmig angeordneten Emporen eingefaßt, denen man anmerkt, daß sie nicht nachträglich eingebaut wurden, sondern bei dem Neubau der Kirche um s 8oo von Anfang geplant waren. Ein besonderer Akzent wird durch die beiden Patronatslogen gesetzt, deren aus der Wand hervortretende Fenster gewissermaßen als Kopf der „Emporkirchen“, wie man früher sagte, wirken.
Die schönen Bilder an Emporen und Altar sind Werk des Ziegenrücker Malers Gemeiner. Sie entstanden in den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts und fügen sich der barocken Ausstattung gut ein. Über dem Altartisch, unter der Kanzel, steht bezeichnenderweise nicht das Bild des Heiligen Abendmahls, sondern der versinkende Petrus, der von Jesus gehalten wird. Dies zu jener Zeit sehr häufig gewählte Bild drückt sicher etwas vom Gefühl der Gemeindeglieder damals aus. Der durch Kriegsnöte und Inflation verunsicherte Betrachter konnte sich in Petrus wiedererkennen und seinen Glauben als die helfende Hand des Herrn verstehen, die ihn vor dem Versinken rettete.

In einem Seitenraum wird als Erinnerung an den Vorgänger der heutigen Kirche noch ein gotischer Schrein von beträchtlicher Größe verwahrt. Wenn er restauriert würde, könnte er ein beeindruckendes Schmuckstück der Kirche werden.
Auf den Flügeln außen sind die heilige Anna Selbdritt und Johannes der Täufer gemalt. Innen sehen wir in der Mitte Maria mit dem Kind. Zwei Engel halten über ihr eine Krone. Rechts und links stehen Figuren von drei Bischöfen und einem anderen Heiligen, nur einer ist noch zu erkennen, Nikolaus, während den anderen die kennzeichnenden Beigaben verlorengingen.
Der Taufstein wurde zum Gedenken an einen früheren Kantor und Lehrer der Crispendorfer 1893 gestiftet. Auf ihm liegt eine große, reich mit Ornamenten gravierte Taufschale. Sie trägt die Inschrift: „Das Aug allein das Waßer sieht, wie Menschen Waßer gießen, der Glaub im Geist die Krafft versteht des Blutes Jesu Christi Johann Roth, Burger zu gera nebst seinem Weibe Dorothea des der Zeit hiesigen Pfarrers M. Heinr. Rothens leibl. Eltern haben dieses Tauffbecken verfertigen laßen ANNO 1714“ Wie diese Taufschale stammt wohl auch der dreiviertel-lebensgroße Kruzifixus an der Südwand der Kirche unter der Empore noch aus der früheren Kirche.

Aus: Peter Weiss, Kirchen im Oberland, Berlin 1988
(Mit freundlicher Genemigung des Autors, 2004)


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bearbeitet: 28.03.2011