Kirche in Volkmannsdorf
Die Kirche zu Volkmannsdorf
Kirche von Innen
Volkmannsdorf gehörte lange Zeit zum Herzogtum Sachsen-Weimar und kam erst nach 1918 zum Schleizer Gebiet. Das kann erklären, warum die um 1800 entstandene Ausstattung dieser Kirche so stark vom Geist der Aufklärungszeit geprägt wurde. Die nüchtern-freundliche Ausmalung vermeidet jede tiefere Symbolik. Das einzige für die Zeit typische Glaubenssymbol des Raumes ist ein Tetragramm, der heilige Gottesname JHWH in hebräischen Buchstaben, umgeben von einer goldenen Strahlensonne, über dem Kanzelaltar. In wirkungsvollem Kontrast zu dieser Ausstattung steht als Zeuge mittelalterlicher Frömmigkeit ein großer, gut erhaltener Schnitzaltar aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts. In Einzelteilen über den Raum verteilt, fesselt er das Auge des Besuchers. Der Mittelschrein steht rechts vor dem Triumphbogen, er enthält die Figuren der Heiligen Nikolaus, Agnes, Maria mit dem Kind, Katharina und Antonius. Die Flügel sind links im Altarraum angebracht und zeigen, ebenfalls geschnitzt, Margaretha, Laurentius, Barbara, Apollonia, Ciriakus, Dorothea. Das sind zehn der vierzehn Nothelfer. Vielleicht waren die übrigen einmal auf der heute nicht sichtbaren Vorderseite der Flügel angebracht und bei geschlossenem Altar sichtbar? Das ehemalige Unterteil, die Predella, ist nachträglich über dem Altartisch angebracht worden, ein sehr lebendig geschnitztes Abendmahl des Herrn mit den Jüngern. Ob die beiden kleineren Bildwerke, die an den Seitenemporen angebracht sind, ein „Schmerzensmann“ und eine „Pietà“ einmal zu diesem Flügelaltar gehörten, läßt sich heute nicht mehr sagen. Annehmen möchte man es von dem gotischen Kruzifixus im Eingang der Kirche. Mit dieser Spannung zwischen zwei so weit auseinanderliegenden Haltungen des künstlerischen Fühlens und der Frömmigkeit vermag der Kirchenraum dem nachdenklichen Betrachter eine ganze Predigt über die lebendige Vielfalt des Glaubens zu halten.
Eingangsportal

Im Turm, der über dem Altarraum steht, finden wir zwei Bronzeglocken, deren eine von 1795 datiert ist. Auf dem Weg zu ihnen fällt die bemerkenswert solide Ausführung der Kirchendecke ins Auge. Dicht an dicht sind die Balken gelegt, ein ganzer Wald wurde hier verarbeitet.

Beim Verlassen der Kirche wirft der Besucher noch einen Blick auf das einfache, sauber aus Stein gehauene Türgewände, das die Jahreszahl der Erbauung der Kirche trägt, 1775.




Aus: Peter Weiss, Kirchen im Oberland, Berlin 1988
(Mit freundlicher Genemigung des Autors, 2004)


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Ki-gem. Volkmannsdorf, Konto: 5081754006, Volksbank Vogtland


bearbeitet am 28.03.2011